Jugend forscht-Regionalsieger werden Vizeweltmeister in Physik

23. Juli 2019

Die Schüler, die im Alltag das Robert-Bosch Gymnasium in Langenau besuchen, waren Teil des deutschen Nationalteams, zu dem auch Frederik Gareis und Berin Becic aus Kronach sowie Saskia Drechsel aus Dippoldiswalde gehörten. Insgesamt haben am diesjährigen IYPT, das auch als Physik Welt-Cup bezeichnet wird, 34 Nationen von allen Kontinenten teilgenommen.
Dem IYPT vorausgegangen war eine mehrjährige Vorbereitungszeit der Schüler am SFZ Ulm. Unter der Betreuung eines Teams aus Lehrern und Studenten trainieren seit vielen Jahren mehrere Physik-begeisterte Jugendliche mit physikalischen Fragestellungen, die jeweils im Sommer von den Organisatoren des IYPT veröffentlicht werden.
Jeweils zu Beginn eines Jahres finden lokale Qualifikationsturniere statt, aus denen die Kandidaten hervorgehen, die an der Deutschen Physik-Meisterschaft (GYPT – German Young Physicists´ Tournament) im März in Bad Honnef teilnehmen dürfen. In einem weiteren mehrtägigen Physik-Workshop der zehn besten deutschen Nachwuchsphysiker an der Universität Ulm wird schließlich das fünfköpfige Nationalteam zusammengestellt, das dann am IYPT teilnimmt.
Das harte Auswahlverfahren hat sich für Fabian Henn und Fabio Briem ausgezahlt: Mit nur 1,1 Punkten Rückstand hinter dem Favoriten und Titelverteidiger Singapur haben die Ulmer SFZ-Schüler mit dem Deutschen Team das beste Ergebnis der vergangenen Jahre eingeholt – bei deutlich gewachsener Konkurrenz. Erst letztes Jahr hatte Toni Beuthan ebenfalls vom SFZ/RBG als Team-Käpt’n des dt. Teams eine Goldmedaille aus Peking mit nach Hause gebracht.
„Das IYPT ist ein Prestigewettbewerb, um zu zeigen, welche Nation über die schlauesten Köpfe und die besten Fördermöglichkeiten für den Nachwuchs in den Naturwissenschaften verfügt“, sagt Dr. Rainer Reichle, Standortleiter des Schülerforschungszentrums in Ulm. „In den letzten zehn Jahren hat sich immer wieder abgezeichnet, dass die industriestarken, asiatischen Nationen Singapur, Südkorea und China den Wettbewerb fest in der Hand haben. Die in den vergangenen Jahren konsequent ausgebaute Förderung der DPG (Deutsche Physikalische Gesellschaft) durch die Einrichtung von Förderstützpunkten in fast allen Bundesländern zahle sich nun aus.“
Die zu bearbeitenden Aufgaben werden jeweils ein Jahr vor dem IYPT veröffentlicht. Es sind sehr offen gehaltene Fragstellungen, die es genauestens zu interpretieren gilt. Dabei müssen alle damit verbundenen Aspekte mittels aufwändiger Experimente und dem Aufstellen theoretischer Modelle abgedeckt werden.
Im diesem Jahr ging es z.B. um den Bau eines Motors mit Hilfe einer Corona Entladung, oder darum, wie der Sound eines Laserschwerts in Science Fiction Filmen durch das Anschlagen von gespannten Brückenseilen bzw. in gespannten Federn erzeugt werden kann. Oft gibt es noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen zu den Fragestellungen und damit auch noch keine Literatur, auf die zurückgegriffen werden kann.
Gegnerische Teams liefern sich Physikduelle

Der Wettbewerb wird ausgetragen in sogenannten Physikduellen („Fights“), die sich die gegnerischen Teams liefern. Dazu muss jedes Team in einem Kampf jeweils einmal eine der drei Rollen, Reporter, Opponent und Reviewer annehmen. Ein exakt 12-minütiger Vortrag des Reporter Teams wird umgehend nach dessen Ende von dem opponierenden Team in einem Gegenvortrag fachlich auseinandergenommen. Dieser zweite Vortrag wird während des Vortrags des Reporters von dem zweiten Team erstellt. Die fachliche Auseinandersetzung wird dadurch zu einem sehr spontanen und dynamischen Teamwettbewerb. Nach der anschließenden Diskussion tritt der Reviewer in Erscheinung mit der Aufgabe die wissenschaftliche Auseinandersetzung zu bewerten. Alle drei Parteien bekommen dann von einer Jury Noten von 1-10. Der Wettkampf wird in der Konferenzsprache Englisch ausgetragen und erfordert eine schnelle Auffassungsgabe um, ähnlich wie beim Debating, die Schwachstellen des gegnerischen Ansatzes schnell zu erkennen und klar darzulegen.
Gute Sprachkenntnisse und rhetorische Fähigkeiten sowie ein sehr gutes Zeitmanagement müssen gut trainiert sein. Starke Gegner sind dabei erwünscht, denn versteht der Gegner die eigene Argumentation nicht, wirkt sich das auf die eigenen Punkte aus.
„Interessant ist, dass sich die Schüler nach einem Wettbewerb meist noch im Flugzeug intuitiv über die neuen Aufgaben für das kommende Jahr hermachen“, sagt Rainer Reichle, „Sie sind immer noch im Workflow, was eher ungewöhnlich für Jugendliche in diesem Alter ist.“
 Auch die Ulmer SFZ-Schüler und ihre Betreuer haben die Arbeit für das aufwändige Qualifikationsverfahren bereits wiederaufgenommen.

Jugend forscht-Regionalsieger werden Vizeweltmeister in Physik

Vergangene Woche haben sich Fabian Henn und Fabio Briem vom Schülerforschungszentrum (SFZ) Ulm beim 32. International Young Physicists´ Tournament (IYPT) im polnischen Warschau den Vize-Weltmeistertitel in Physik gesichert. Beim Jugend forscht-Regionalwettbewerb der Innovationsregion war das Team mit einem weiteren Kollegen, Markus Baier, erfolgreich als Regionalsieger im Fachbereich Physik mit ihrem Projekt “Übers Wasser drehen – Wasserschlacht mit Magnus, Bernoulli und Newton”.

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Das deutsche IYPT-Team: v.l.n.r: Maskottchen Horst, Frederik Gareis, Fabian Henn, Fabio Briem, Berin Becic und Saskia Drechsel (Foto: Timotheus Hell 2019)
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