Wieland-Preis für Nachhaltigkeit verliehen

29. Juli 2013

Die in Ulm ansässige Wieland-Werke AG hatte in diesem Jahr erneut einen Preis für Abschlussarbeiten an der Hochschule Ulm ausgeschrieben, deren Ergebnisse eine nachhaltige Entwicklung unter Bezug auf Ökologie, Wirtschaft und/oder Soziales fördern. Diesjähriger Preisträger ist Falko Ebe, B. Eng., der sich in seiner Bachelor-Arbeit mit der Netzanbindung eines geplanten Pumpspeicherkraftwerkes an ein bestehendes 110-Kilovolt-Netz der SWU Netze GmbH auseinandersetzte. Geehrt wurde außerdem Professor Gerd Heilscher, der die Arbeit betreute.

Die Aufgabe der SWU Netze GmbH bestand bisher in der Übernahme der elektrischen Energie aus dem Übertragungsnetz und der Verteilung der Energie an Industrie, Gewerbe und Haushalte in Ulm und Neu-Ulm. Mit der starken Zunahme der lokalen Einspeisung insbesondere durch fluktuierende Solarenergie verändern sich die Anforderungen an die Verteilnetzbetreiber. Damit vor allem die wechselhafte Einspeisung aus Solarstromanlagen schnell ausgeglichen werden kann, sollen Pumpspeicherkraftwerke eingesetzt und in bestehende Netze eingebunden werden. Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm planen im Rahmen ihres Engagements zur Umsetzung der Energiewende seit längerer Zeit die Errichtung eines solchen Pumpspeicherkraftwerks im Blautal. Falko Ebe, Absolvent des Studiengangs Energiesysteme, hat in einer Netzsimulation die Anbindung des geplanten Kraftwerkes an das bestehende 110-Kilovolt-Netz des lokalen Stromversorgers unter technischem, wirtschaftlichem und rechtlichem Aspekt untersucht.

Im ersten Schritt waren die detaillierte Abbildung des 110-Kilovolt-Stromnetzes in dem Netzberechnungsprogramm PowerFactory und die Validierung des Berechnungsmodells mit Messdaten aus der Leittechnik notwendig. Auf der Basis von Lastfluss- und Kurzschlussberechnungen wurden dann mehrere Varianten der Netzanbindung des geplanten Pumpspeicherkraftwerks analysiert. Unter Berücksichtigung der Investitions- und Betriebskosten erfolgten eine Wirtschaftlichkeitsberechnung und eine Empfehlung für die Umsetzung.

Mit der anschließenden mittelfristigen Zielnetzplanung untersuchte der Preisträger den weiteren Ausbau und die Optimierung des Netzes. Mit Hilfe von umfangreichen Ausfallanalysen überprüfte er, ob die kontinuierliche Stromversorgung der untersuchten Zielnetze auch bei einem Ausfall einzelner Betriebsmittel sichergestellt und damit das N-1 Kriterium erfüllt ist. Zusätzlich bewertete er die Abrechnung der Netzentgelte unter energiewirtschaftlichem Aspekt. Er berücksichtigte dabei die Zusammenfassung mehrerer Zählpunkte zu einem virtuellen Zählpunkt (sogenanntes Pooling). Es gelang ihm, im Rahmen der aktuellen Auslegung des Energierechts einen Weg für eine wirtschaftliche und energieeffiziente Optimierung aufzuzeigen.

Falko Ebe erarbeitete wesentliche Grundlagen für eine wirtschaftlich sinnvolle Umsetzung der Energiewende aus Sicht eines Stromversorgers, die bereits auf Fachebene zu intensiven Diskussionen im Unternehmen geführt haben.

Der Wieland-Preis für Nachhaltigkeit in Technik und Wirtschaft ist der höchstdotierte Preis für studentische Arbeiten an der Hochschule Ulm und würdigt gleichzeitig die Leistung der betreuenden Hochschul-Professoren durch einen Geldbetrag für ihre wissenschaftlichen Aktivitäten. Die diesjährige Preisverleihung fand im Rahmen der Abschlussfeier anlässlich der Verabschiedung der Absolventen des Sommersemesters 2013 statt. Verliehen wurde die Auszeichnung durch  Dr. Matthias Pauly, Leiter des Personalbereichs der Wieland-Werke AG.

Die Wieland-Preisträger Professor Gerd Heilscher, Hochschule Ulm, und Falko Ebe, Absolvent des Bachelor-Studiengangs Energiesysteme, sowie Dr. Matthias Pauly, Personalvorstand der Wieland Werke AG (von links nach rechts). Foto: Hochschule Ulm
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