Daten, Räume, Köpfe öffnen

3. June 2016

Sechzig Jugendliche im Alter zwischen zwölf und achtzehn Jahren können sich – betreut von Mentoren und Mentorinnen – darin ausprobieren, auf der Grundlage von Open Data so genannte Apps und andere digitale Werkzeuge zu entwickeln, die nicht nur alltagstauglich sind, sondern auch die Welt ein bisschen besser machen sollen. Das Motto in diesem Jahr lautet: Daten, Räume und Köpfe öffnen! „Wir wollen Grenzen überwinden: Im Kleinen und Großen, in Systemen, Ländern und in unseren Köpfen“, so Juliane Wessalowski, die die Ulmer Veranstaltung koordiniert.

Der Hackathon richtet sich an Jungen und Mädchen, die gerne programmieren. Für viele der jugendlichen Teilnehmer ist es das erste Mal, dass sie auf Gleichaltrige treffen, die genauso ticken. Sie sind mit ihrer Begeisterung für Computersysteme und Programmiersprachen nicht allein und können sich in der Gruppe besser mit ihren technischen Fähigkeiten identifizieren. „Hier wird niemand schief angesehen, wenn man sich in seiner Freizeit mit serverseitigen Scriptsprachen und -systemen wie Python, Ruby oder Nodejs beschäftigt, oder weiß, wie man mit Einplatinencomputern umgeht – und genauso wenig, wenn jemand das nicht tut“, sagt Wessalowski.

Der Begriff „Hackathon“ knüpft an die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „hacken“ an, was so viel heißt, wie sich ein System genau ansehen, um es zu verstehen, es auseinander zu nehmen und damit Neues auszuprobieren. „Wir wollen den Begriff des Hackers entkriminalisieren und aufzeigen, dass man mit öffentlich zugänglichen Daten, schöpferisch aktiv sein und dabei sogar einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen kann“, erklärt Stefan Kaufmann, Open-Data-Aktivist und Mitglied im Orga-Team von „Jugend hackt“.

Alle Coder und Programmierer sind dabei angehalten, sich an die Hacker-Ethik des Chaos Computer Clubs (CCC) zu halten. Darunter fallen nicht nur Regeln zum Datenschutz und zum Umgang mit digitalem Müll, sondern auch Nichtdiskriminierungsgebote oder gesellschaftliche Umgangsnormen wie Verantwortlichkeit und Kritikfähigkeit. „Uns geht es darum, technische Fragen mit gesellschaftspolitischen Themen zu verbinden“, erklären die Veranstalter. So wurde im letzten Jahr an der Universität Ulm unter anderem ein „Spiel des Lebens“ entwickelt, das die Nutzer für Diskriminierung und soziale Ungleichheit sensibilisieren soll. Ein anderes Projekt aus 2015 – „World of Schoolcraft“ – ist als Online-Rollenspiel angelegt und soll die Schüler motivieren, ihre Hausaufgaben regelmäßig und gewissenhaft zu erledigen.

„Der Hackathon ist eine Kreativwerkstatt für junge Nachwuchsprogrammierer und fast schon so etwas wie die berühmten `Hacker-Garagen´ im Silicon Valley. Mittlerweile finden sich dort die Computer-Experten und Software-Entwickler der Zukunft, die wir in Deutschland so dringend brauchen“, so der Universitätspräsident Professor Michael Weber. Der Medieninformatiker freut sich daher besonders, dass die Uni Ulm wieder unter den diesjährigen Gastgebern ist.

Die Idee zum Programmiercamp „Jugend hackt“ kommt eigentlich aus Berlin und wurde dort erstmals im Jahr 2013 realisiert. Veranstaltet wird der bundesweite Berliner „Hackathon“ von der Open Knowledge Foundation Deutschland und von „mediale pfade“. Seit einem Jahr gibt es zudem vier weitere Ableger in Ost-, West-, Nord- und Süddeutschland. So reiht sich Ulm ein in eine Kette von Metropolen wie Berlin, Dresden, Köln und Hamburg. An der Universität Ulm ist der regionale Ableger „Jugend hackt Süd“ nun zum zweiten Mal zu Gast. Die Organisation vor Ort übernehmen Studierende aus der studentischen Arbeitsgruppe „WissenSchaffer“, die Schülerinnen und Schüler für Technikfächer begeistern wollen, sowie Mitglieder des Ulmer Open Knowledge Labs, die auch hinter ulmapi.de stecken.

Daten, Räume, Köpfe öffnen

Vom 10. bis zum 12. Juni heißt es an der Uni Ulm wieder: Jugend hackt! Und wer glaubt, bei diesem Hackathon, der nun zum zweiten Mal in Ulm ausgetragen wird, gehe es um Computerviren, Cyberangriffe oder Datendiebstahl, liegt ziemlich daneben. Den Veranstaltern und Teilnehmern dieses ganz legalen Programmierwettbewerbs geht es vielmehr darum, mit technischen Mitteln die Welt zu verbessern.

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Fachmentoren unterstützen bei „Jugend hackt“ 2015 Jugendliche bei der Lösung kniffliger Aufgaben. Foto: Eva-Maria Kühling/Peter Wozniak
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