Investition in die Zukunft des regionalen Handwerks

25. June 2019

Die Handwerkskammer Ulm hat 8,6 Mio. Euro in den Neubau von drei weiteren Ausbildungshallen am Ulmer Kuhberg investiert. Im Beisein von Landeswirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut sowie Andreas Kepper vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie wurden nach rund 20 Monaten Bauzeit gestern drei neue Ausbildungshallen eingeweiht und ihrer Bestimmung für die überbetriebliche Ausbildung im Handwerk, aber auch für die Meisterausbildung übergeben. Das Land und der Bund fördern den Neubau mit insgesamt rund fünf Mio. Euro, davon trägt das Land 1,8 und der Bund 3,2 Mio. Euro. „Diese Investition der handwerklichen Selbstverwaltung zusammen mit den Fördergebern auf Landes- und Bundesebene bietet dem regionalen Handwerk beste Voraussetzungen für gute Bildung. Er war unbedingt nötig, denn berufliche Bildung hat die gleichen Herausforderungen an eine moderne Weiterentwicklung wie alle anderen Bildungswege auch.", betonte Joachim Krimmer, Präsident der Handwerkskammer Ulm.

Wirtschafts- und Arbeitsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut sieht in dieser Investition in die berufliche Bildung auch einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung. „Mit der Förderung unterstützen und sichern wir den Fach-und Führungskräftenachwuchs der mittelständischen Handwerksbetriebe. Durch die Lehrgänge werden ein hohes Niveau und die Qualität der Ausbildung gewährleistet. Attraktive und anspruchsvolle Bildungsangebote schaffen Perspektive", so die Ministerin. „Um das Erfolgsmodell ‚betriebliche Ausbildung’ werden wir weltweit beneidet. Wir wollen daher in allen Schularten junge Menschen und ihre Eltern noch stärker für eine Ausbildung im dualen System begeistern. In Sachen Weiterbildungsbeteiligung haben wir in Baden-Württemberg bereits heute eine Spitzenposition inne. Es gilt jetzt, die Menschen noch stärker für die Bedeutung der Weiterbildung zu sensibilisieren und hier stattfinden zu lassen", sagte Hoffmeister-Kraut.

Die Bildungsakademie der Handwerkskammer Ulm ist rund 50 Jahre alt und besteht seither aus 12 Ausbildungshallen. Sie gewinnt durch die aktuelle Investition rund 3.300 qm an modernster Ausbildungsfläche hinzu, verteilt auf drei weitere Hallen. Es sind so neue Übungseinheiten für das Maler- und Lackierhandwerk, die Elektrohandwerke und die Sanitär-, Heizung und Lüftungsgewerke, ein Parkdeck und ein Service- und Beratungsbereich entstanden. Im Kammergebiet stiegen die Azubizahlen stetig trotz sinkender Schülerzahlen, 450 Geflüchtete absolvieren inzwischen eine Ausbildung und rund 15 Prozent der Azubis sind Abiturienten. Diese Zahl habe man in den letzten sechs Jahren verdreifacht.

Krimmer verwies darauf, dass die Zahl der Betriebe innerhalb der Handwerkskammer Ulm allein in den letzten fünf Jahren um knapp fünf Prozent angewachsen sei, die Zahl der Auszubildenden im Handwerk konnte im gleichen Zeitraum ebenfalls um mehr als fünf Prozent gesteigert werden. „Das Handwerk ist interessant und wächst und deshalb braucht es auch mehr Platz und modernere Möglichkeiten. Anforderungen des Kunden verändern sich, damit verändern wir die Ausbildung und das ist jetzt an den neu entstandenen Orten möglich", so Krimmer. In Richtung der Fördergeber sprach Krimmer in Bezug auf den Zustand des 50 Jahre alten Bestands, aber auch in Bezug auf die anstehenden Entscheidungen für eine Meisterprämie zugunsten der Meisterstudenten des Handwerks: „Mit dieser Investition machen wir einen guten Schritt in Richtung Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung. Ich freue mich auf die nächsten gemeinsamen Schritte."

Konzipiert als lerndendes Gebäude
Die neu entstandenen Hallen sind als lernendes Gebäude konzipiert und werden sich ständig, auch von der Ausbildungsausstattung, verändern und den jeweils neuen Anforderungen des Marktes an Handwerksleistung anpassen. Die aktuellen Azubis und Meisterstudenten haben bei dem neuen Gebäude jetzt die Möglichkeit, unfertiges selbst abzuschließen und direkt am Objekt die modernste Ausstattung zu machen und dabei zu erlernen.

Jährlich nutzen rund 8.500 Handwerkerinnen und Handwerker in knapp 700.000 Teilnehmerstunden das Angebot der Bildungsakademien an den Standorten Ulm, Friedrichshafen und z.T. auch Schwäbisch Gmünd und auch am Weiterbildungszentrum für innovative Energietechnologie am Ulmer Eselsberg, um in ihrem jeweiligen Beruf auf dem neuesten Stand zu bleiben. Krimmer verwies auch darauf, dass rund 93 Prozent der getätigten Investitionen durch mittelstandsfreundliche Vergabe an regionale Handwerksbetriebe im Umkreis von bis zu 100 Kilometern vergeben werden konnten. „Freilich macht das mehr Mühe. Aber es ist auch mit unserem Vergaberecht möglich, das wollten wir damit zeigen: nicht nur über unsere Handwerksbetriebe vor Ort zu sprechen, sondern auch tatsächlich an sie zu vergeben und sie die Arbeiten machen zu lassen. Dieser Neubau ist damit auch eine Wirtschaftsförderung zugunsten der regionalen Handwerksbetriebe", so Krimmer. Er bedankte sich bei den ausführenden Betrieben für ihren Einsatz zum Gelingen, nur so sei es möglich gewesen in dieser angespannten Konjunkturlage den Kosten- und Zeitplan einzuhalten.

(v.li.) Rainer Reichhold, Präsident des Baden-Württembergischen Handwerkstages e.V., Joachim Krimmer, Präsident der Handwerkskammer Ulm, Thomas Dörflinger, MdL CDU, Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, Daniel Rottmann, MdL AfD, Landeswirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Gunter Czisch, Oberbürgermeister der Stadt Ulm und Winfried Mack, MdL CDU, haben sich in den neugebauten Hallen einen Eindruck vom digitalisierten Handwerk verschafft. Bild: Handwerkskammer Ulm
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